Glock, die Standardpistole – zu Recht?

Glock, die Standardpistole – zu Recht?

Glock 19 mit Magazinen

Sehr oft kommen Schützenkameraden oder Kollegen aus dem Polizeidienst auf mich zu und fragen welche Pistole ich für Selbschutzzwecke oder zum Schießen allgemein als erste Waffe empfehlen würde. Meine Antwort ist immer dieselbe:

Wenn man über die IWA, Europas größte Waffenfachmesse, geht und einen zufälligen Besucher nach seiner Pistole fragt, die Chancen stehen gut, dass er oder sie eine Glock 19 verwendet. Warum ist Glock der Standard? Was macht sie gut und was sind Ihre Probleme? Ist sie noch zurecht der Standard und warum empfehle ich sie als erste Waffe?

Zunächst: Warum ist Glock der Standard?

Glock war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Als die Glock Pistole in den 1980er Jahren auf den Markt kam war sie ein revolutionäres Design. Leichtes Polymergehäuse und Schlagbolzenschloss, waren zwar schon auf dem Markt vorhanden, z.B. in der Heckler und Koch VP70, aber noch nicht ausgereift. Glock lieferte ein nahezu perfektes Design für die Anforderungen dieser Zeit.

Im Jahr 1988 kam dann die Glock 19 auf den Markt. kompakter als das Erste Modell die Glock 17, war sie perfekt auf die Anforderungen von Polizeibehörden und den größten Zivilwaffenmarkt der Welt, die USA abgestimmt.

In den meisten Ländern der westlichen Welt ist die Glock 19 oder 17, wenn auch nicht immer als Standardpistole, in vielen Einheiten vertreten. So hat z.B. Die Bayerische Polizei einen kleinen Bestand an Glock 19 Pistolen für Einheiten des Personenschutzes.

Glock-Pistolen sind sehr einfach in der Handhabung

IDPS Haltung Glock einhändig low ready vor dem Körper

Im Gegensatz zu den in den 1980er Jahren viel vertretenen Double/Single-Action Pistolen, wie z.b. Sig P226er Serie oder Beretta 92, hat die Glock nur sehr wenige Bedienelemente und eine simple Sicherung, keine. Zumindest keinen Entspannhebel oder Sicherungshelbel der vom Schützen bedient werden muss.
Die Sicherungen der Glock-Pistole sind komplett intern. Vor der Schussabgabe muss die Waffe weder entsichert, noch muss ein langer Double Action Abzug gezogen werden. Zwar stellt dies für manche einen Grund dar, warum die Glock-Pistole „unsicherer“ wäre, dies ist jedoch umstritten. Simpler ist das System allemal. Es kann nicht vergessen werden die Waffe im Notfall zu entsichern, noch ist der erste Schuss aufgrund eines schweren Abzugs unpräziser.

Hinzukommt dass Glock-Pistolen, sofern sie nicht mit zuvielen Aftermarket-Teilen, verkompliziert wurden, sehr zuverlässig sind. Nahezu unverwüstlich. So finden sich im Internet hunderte von sogenannten Torture-Tests.
In diesen Tests werden die Pistolen unrealistischen massiven Umwelteinwirkungen wie, z.B. Für Tage unterwasser gelagert, unterzogen. Glocks bestehen diese Test mit bravour und ohne Probleme.

Aus eignerer Erfahrung kann ich sagen, dass ich meine Glocks nur alle ca. 2500 Schuss reinige, und keine, auf schlechte Reinigung zurückführende, Störungen habe.

Die Glock im Schießsport

Für den Schießsport im Allgemeinen ist die Glock sehr gut geeignet, vorallem für Anfängerschützen. Für Präzisionsdisziplinen würde ich eine Glock nicht besorgen, aber alle Disziplinen welche hauptsächlich von 5-15 Meter geschossen werden können.

Gibt es auch Probleme mit der Glock?

Die Waffe kann nicht auseinandergebaut werden, ohne dass der Abzug gezogen werden muss. Dies stellt vor allem für Behörden oft ein Sicherheitsrisiko dar, da die Möglichkeit von unbeabsichtigten Schussabgaben erhöht ist. Dies war auch eine Anforderung der Bayerischen Polizei 2017 für die Ausschreibung der neuen Dienstwaffe, weswegen Glock eine neue Pistole, sehr unterschiedlich zum Standard, die Glock 46, entwickelte.
Die Magazine der Glock haben einen Stahlkern, ummantelt von Polymerkunststoff. Dies macht sie dicker als reine Stahlblechmagazine.

Faktisch ist eine Glock in der aktuellen 5. Generation fast identisch zu einer Glock der 1. Generation. Die meisten Unterschiede sind kosmetisch, wie z.B. die Fingerrillen, die in der 3. und 4. Generation an den Griffstücken platziert wurden und in der 5. Generation wieder verschwanden. So passierte es mir schon, dass ich bei einem Kollegen dachte, er hätte eine Glock der 5. Generation. Tatsächlich handelte es sich um eine Generation 2.
Auch der Abzug der Glock lässt für manche Geschmäcker zu wünschen übrig.

Andere Pistolen haben diese Probleme bereits behoben. Ein gutes Beispiel dafür ist die HK SFP9, die die Zusage der Bayerischen Polizei vor Glock sicherte. Fast jede moderne Pistole ist ein „Glock-Klon“ meist ohne diese Probleme.

Warum ist Glock dann immer noch der Standard?

Hauptsächlich Masseträgheit. Aber auch ein sehr gut integrierter Zubehörmarkt. So ist es deutlich leichter ein gutes Holster für eine Glock zu finden als für eine Arex Delta.

Auch die Erfolgsbilanz der Glock ist deutlich länger als die Konkurrenzwaffen. Glock hatte gut 20 Jahre von den 1980ern bis in die frühen 2000er den Markt komplett im Griff. Anders als wie mit vielen Konkurrenzpistolen gibt es keine Kinderkrankheiten mehr die ausgemerzt werden müssen. Wie z.B. bei der Sig P320, die Probleme mit der Fallsicherheit hatte.

Insgesamt kann gesagt werden, dass die Glock auf absehbare Zeit weiterhin den Standardstatus genießen kann. Denn natürlich gibt es bessere Pistolen, aber mit einer Glock macht jemand mit seiner ersten Waffe nichts falsch. Und die Masseträgheit des Markts wird so schnell nicht umstellen.

Autor: Lukas Hürtgen, 3. Vorsitzender und Bundesportleiter des ISB-D.